innerkontinentaler Kolonialismus / Postkolonialismus / Neokolonialismus

Eine Auswahl von theoretischen und historischen Themenbereichen bzw. Materialien, die in Vorbereitung der Film/Videoprojekte im Rahmen der Lehrveranstaltung gesichtet und besprochen wurden.

 

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Als Einstieg die Rezension der Publikation “Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung” von Maria Castro Varela und Nikita Dhawan, in der die grundlegenden Ansätze postkolonialer Theorien, deren Ursprünge und Rezeption / Kritik kurz und verständlich zusammengefaßt werden:

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Ein Abriß österreichischer Kolonialgeschichte

 

einige Texte, die Österreichs Beteiligung am Projekt des Kolonialismus behandeln:

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Textilien und insbes. Seide als wertvolle, widerstandsfähige und zugleich leicht zu transportierende Handelsware fungiert früh auch als Austauschmedium von Ideen, Konzepten, visuellen Codes. Die textile Ausstattung der Sommerresidenz des Prinzen Eugen auf Schloß Hof, heute in der Sammlung des MAK, zeigt deutlich die wechselseitige Beeinflussung chinesischer Grundmuster, indischer Fertigung und westlicher exotisierender Gestaltungsvorgaben / Adaptierungen.

Schloss Hof_Prinz Eugen_elastisch

Die kostbaren “Indiennes” werden mit dem Fortschreiten der technologischen Entwicklung in der westlichen Textilindustrie modifiziert und vereinnahmt, der Re-Export mechanischer Webmaschinen und Drucktechnologien verändert nachhaltig die Produktion in Asien. In Europa wächst die Textilindustrie zu einer immensen wirtschaftlichen Bedeutung an. In der zweiten Hälfte des 19ten Jhdts. erobert zb die ursprünglich tschechische Firma Isaac Mautner den österreichisch-ungarischen und später den europäischen Markt, und hat zu Beginn des ersten Weltkriegs an die 4000 Beschäftigte und ebensoviele Webstühle in Produktionsstätten in der gesamten Monarchie.

 

 

POLITISCHER KONTEXT – ZWEI SCHLAGLICHTER

 

Triestiner Ostindische Handelskompanie

Kapitän Wilhelm Bolts, zehn Jahre lang in Indien bei der britischen Handelskompanie (EIC) beschäftigt und in Triest ansässig, überreichte Maria Theresia 1775 eine Denkschrift, in der er die Gründung einer österreichischen Handelsgesellschaft für den ostindischen Raum aufmerksam machte. Maria Theresia gestattete die Gründung einer Handelsgesellschaft, die mit kaiserlichen Privilegien ausgestattet wurde und deren Schiffe das Recht erhielten, die Reichsflagge mit dem Doppeladler zu führen. 1776 liefen die Schiffe „Joseph“ und „Theresia“ aus Triest aus. Im März 1777 wurde die Delagoa-Bucht an der Südostküste von Afrika erreicht, wo Kapitän Bolts von einem Häuptling den Hafen erwarb und ihn zur österreichischen Kolonie erklärte. Eine kleine Befestigung wurde errichtet und mit neun Kanonen bestückt.

Die Geschäfte kamen um 1783 ins Stocken. Die Konkurrenz durch die übrigen Seemächte war zu stark und außerdem mangelte es wohl an einheimischen Besatzungen und Offizieren für die Schiffe. Kaiser Joseph II. erklärte das Kolonialgeschäft als „sehr verworren“, der Handelsbetrieb wurde eingestellt und die Handelskompanie aufgelöst.

 

Daten zu den österreichischen Kolonien im 18. Jhdt:
1777 wird die Kolonie in Mosambik / Delagoa Bay gegründet. Dazu wird Land gekauft, Lager und andere Bauten errichtet und Handel getrieben. Österreich verfügt damit über einen Stützpunkt an der Küste des indischen  Ozeans.
1778 werden Kolonien auf 4 Inseln der Nicobaren, die zu dem Zeitpunkt dänisch waren, gegründet.  = Territorien
Bereits 1781 kommt es zu einer Rückeroberung der Delogoa Bay  durch ein portugiesisches Kriegsschiff. Hinzu kommen Konflikte zwischen Bolts & Antwerpen, sowie  die Verweigerung von  Kredit durch den Kaiser.
1785 geht die Ostindien Kompanie in Konkurs. Die Nicobaren gehen in Folge an die  Dänen, Delagoa Bay an die Portugiesen. Es hätte prinzilpiell eine Rettungsmöglichkeit durch Kriegsschiffe bestanden, es gab aber keine Kapazitäten dafür.
Die Episode zeigt, dass Österreich eine koloniale Gesinnung hatte und sich auch am Sklavenhandel beteiligte, aber nicht ausreichende Ressourcen bereit stellte.

 

 

Suezkanal

Nachdem Österreich in der ersten Hälfte des 19ten Jhdts. ein verstärktes Interesse am Fernhandel entwickelte, begannen Triestiner Geschäftleute (Triest war der bedeutendeste Hafen der Monarchie) für den Bau einer kurzen Seeverbindung nach Asien zu lobbyieren. So wollte Österreich, obwohl es keine direkten Kolonien hatte, an dem Geschäft partizipieren. Federführend war der Baron Revoltella, die Planung wurde von österreichischen Experten vorbereitet, entwickelt und schließlich durchgeführt. Das Projekt war nicht in dem Ausmaß erfolgreich, wie es ursprünglich zu erwarten gewesen ist, da sich um 1848 das Konzept europäischer Außenpolitik von einem informellen zu einem formellen Imperialismus – also einer militärisch durchgesetzten Kolonialherrschaft – wandelte. In Folge mußte Österreich in Bezug auf die Landnutzungsrecht in Ägypten de facto mit seinem Konkurrenten England verhandeln, wodurch die Durchfahrtsgebühren durch den Suezkanal so hoch angesetzt werden mußten, dass viele Reeder ein Afrika-Umschiffung vorzogen. Dennoch bezieht Triest seine Identität aus dieser Periode umfangreicher Handelbeziehungen, Gründungen von Reedereien, Werften, Versicherungen (die Lloyd Adriatico oder die Generali haben heute noch ihren Hauptsitz in der Stadt) und dem daraus resultierenden Wohlstand. Die Stadt ist somit ein gutes Beispiel für die aktive Teilnahme am Projekt des Kolonialismus, auch wenn die Monarchie nicht selbst koloniale Gebiete besetzte.

 

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keepratio

Vida Bakondy, Renée Winter (Hrsg.)

Nicht alle Weißen schießen.

Afrikarepräsentationen im Österreich der 1950er Jahre im Kontext von (Post-)Kolonialismus und (Post-)Nationalsozialismus

Omaru – eine afrikanische Liebesgeschichte, 1955 im Jahr des Staatsvertrages als österreichischer Beitrag zur Biennale gefeiert, ist Ausgangspunkt dieser Analyse. Der Film, dem achtmonatige Dreharbeiten in Kamerun vorausgingen, wurde in österreichischen Tageszeitungen als Film, der „endlich“ Afrika „ohne schießende Weiße“ zeige, beworben. Die Autorinnen arbeiten in der vorliegenden interdisziplinären Studie zum filmischen Text, den Produktionsbedingungen und der zeitgenössischen Rezeption mit Ansätzen aus den Cultural Studies, der kritischen Weißseinsforschung, postkolonialen Theorien, der Oral History und den Filmwissenschaften. Der Film als kulturelles Produkt wird über die Verknüpftheiten der Biographien und Erzählungen des Regisseurs Albert Quendler und des beratenden „Afrikaforschers“ Ernst Zwilling mit nationalsozialistischen und kolonialen Organisationen und Diskursen historisch verortet. Die filmischen Repräsentationen werden in ihrer Intertextualität mit zeitgenössisch zirkulierenden Bildern und Diskursen begriffen. Rekonstruiert wird so die Funktion der durch den Film popularisierten Imaginationen von „Afrika“ im post-nationalsozialistischen Österreich der 1950er Jahre.

Die Autorinnen:

Mag.a Vida Bakondy (geb. 1980 in Dearborn) Studium der Geschichte mit Fächerkombination aus Internationaler Entwicklung, Feministische Theorien/Gender Studies, Sozial- und Kulturanthropologie und Bosnisch-Kroatisch-Serbisch an der Universität Wien. 2004 Mitautorin der Ausstellung Gastarbajteri. 40 Jahre Arbeitsmigration nach Österreich (initiative minderheiten, Wien Museum).

Mag.a Renée Winter (geb. 1980 in Wien) Studium der Geschichte, Internationale Entwicklung, Feministische Theorien/Gender Studies und Russisch an den Universitäten Wien und Paris VII. 2004 Mitautorin der Ausstellung Gastarbajteri. 40 Jahre Arbeitsmigration nach Österreich. (initiative minderheiten, Wien Museum)

Gemeinsames Arbeiten seit 2000: U.a. Recherche Produktion und Regie der Films nach österreich. Erinnerungen an Zwangsarbeit und Arbeitsmigration A, 2005/2006.

http://www.studienverlag.at/page.cfm?vpath=buecher/buchdetail&titnr=4360

http://www.studienverlag.at/page.cfm?vpath=buecher/buchdetail&bookclass=&titnr=%204360

 

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Exkurs:

SCHWEIZ

Ein noch extremeres Beispiel für eine doppelbödige Haltung gegenüber einer Verantwortung für den europäischen Kolonialismus ist die Schweiz. Hier ein Papier, das dieses wenig thematisierte Phänomen thematisiert.

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