Spielfilme

Beispiele von ExponentInnen des europäischen Kinos, die in ihren Arbeiten mehr oder weniger explizit die Gegenwart mit einer kolonialen Vergangenheit in Bezug setzen.

 

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Michael Haneke

Frankreich/Österreich/Deutschland/Italien 2005,115 Minuten, Farbe, 35 mm/1 : 1,85/Dolby DTS

Kamera: Christian BERGER (aac)
Ton: Jean-Paul MUGEL, Jean-Pierre LAFORCE
Schnitt: Michael HUDECEK, Nadine MUSE
Produzenten: Veit HEIDUSCHKA, Margaret MÉNÉGOZ

Der Titel des Films ("verdeckt") bezieht sich auf einer Ebene auf das Pariser Massaker von 1961, bei dem eine friedliche Demonstration mehrerer zehntausend Algerier von der Pariser Polizei unter dem Befehl von Maurice Papon - der im mit den Nazi kollaborierenden Vichy Regime hoher Beamter gewesen war - gewaltsam bekämpft wurde. Die mehreren hunderten Toten wurde in der französischen Presse jahrelang totgeschwiegen, es sind nur Fotos eines einzigen Fotografen erhalten, und erst nach der Jahrtausendwende gab es eine offizielle Verurteilung der Vorgangsweise Sicherheitskräfte. Diese Demonstration stand in Zusammenhang mit dem Algerienkrieg (1954-62) / der De-Kolonialisierung Algeriens, und die eklatante Unfähigkeit zu einer Auseinandersetzung mit dem verbrecherischen Verhalten der Polizei zeigt auch das brüchige Verhältnis Frankreichs  zu seiner Kolonialgeschichte.

L'Intrus

Claire Denis

Frankreich, 2004 - 130 min

Darsteller: Michel Subor, Béatrice Dalle, Grégoire Colin

Kamera: Agnès Godard

Musik: Stuart Staples

Autor: Claire Denis, Jean-Pol Fargeau

In unentschlüsselbarer Weise greift der Film das Motiv einer Herztransplantation als lebensrettend und doch zugleich gewaltsam eindringend auf, und verwebt es mit Bildern von gegenwärtigen globalen Migrationsströmen und Flashbacks in die koloniale Welt einer exotischen Südseeinsel.

 

Claire Denis hat ihre Kindheit in Kamerun verbracht. Ihr erster Film "Chocolat", den sie erst mit über 35 gedreht hat, setzt sich explizit der Ambivalenz aus Macht und Begehren aus, die ihre Sicht auf das koloniale Afrika prägen. Mit "White Material" kehrt sie über 20 Jahre später zurück zur Ausgangssituation einer weissen Frau, die sich in den aus den Fugen geratenen Strukturen postkolonialer Gesellschaften behaupten muß, doch die Umstände sind grundlegend geändert. Auch "Beau Travail" über die Struktur der Fremdenlegion gehört zu den Klassikern postkolonialen Kinos.