gangart


baubüro von gangart während der errichtung der saalarchitektur für die neuaufstellung der teppichsammlung, MAK, herbst 1992

 

das team von gangart bei IM NU, MAK teppichsaal, frühjahr 1989

 

das künstlerInnen-team hat seit 1989 mehrfach interventionen in die präsentation der sammlung historischer orientteppiche des MAK – einer der weltweit bedeutendsten – vorgenommen und dabei verknüpfungen mit der gegenwart, mit politischem geschehen, dem alltag der umliegenden stadt, der realität der institution MAK herzustellen gesucht. diese künstlerischen auseinandersetzungen mit historischen artefakten und der institution, die mit deren bewahrung beauftragt ist, haben einen grundstock an wissen und erfahrung produziert, der im projekt rug plot den teilnehmerInnen zu gute kommen soll.

IM NU / 1989/90, installation und performance
war&transitional, messages / 1993, ausstellung zeitgenössischer afghanischer kriegsteppiche und performance / konzert
neugestaltung des schausammlungssaals „orient“ / 1993, permanente installation
knoten, symmetrisch_asymmetrisch: die historischen orientteppiche des MAK und filminserts der gegenwart / 2002, ausstellungskuratierung und -gestaltung

 

Die interdisziplinäre Forschung ist seit längerem einerseits Traumwunsch einer permanenten Revolution der Fakultäten, zugleich selten erreichte Utopie, die meist an der babylonischen Verwirrung der Methoden und Technolekte scheitert. Im Umkreis der Kunst jedoch gewinnt ein Wissenstyp zunehmend Boden, der durch die Versichtbarungen, die die Kunst beisteuert, schnell und spielerisch ein hohes Niveau an Evidenz erreicht. Die Künstlergruppe Gangart operiert auf diesem auf die Kunst bezogenen interdisziplinär angelegten Plateau und produziert weniger als sie katalysiert: ein Zusammenhang, eine Kristallisation, eine Performance, eine Stimmung oder Tonart (hier eben: eine Gang-Art) tritt an die Stelle des Objekts. Analyse, Recherche und eine multimediale Strategie bilden die Architektur eines einem jeweiligen site angemessenen Kunstwerks. Die Themen, die sich Gangart vorgenommen hat, sind breit gefächert, wobei Installationen im öffentlichen Raum, also in Museen, Kinos, Hallen im Vordergrund stehen. Mit Sammlungen haben sich die Mitglieder von Gangart nicht nur einmal beschäftigt, wohl aus dem Grund, daß das materialisierte Archiv für sie einen idealen Forschungsgegenstand darstellt (auch um »ideologische Herausbildungen« – wie sie es nennen – zu studieren und sichtbar zu machen). Auf dem Flachbild der inventarisierten Gegenstände kann man ein Relief von Bezüglichkeiten aufbauen kann, welche, im Unterschied zum Versuch einer historischer Rekonstruktion, die Dinge in Resonanz mit Feldern ganz unterschiedlichen Zuschnitts bringt. Es ist dann, in einer Art von unorthodoxen Evaluierung dessen, was Zeugnis und Aufschluß geben könnte, von unmittelbaren und mittelbaren Bezügen die Rede. Es werden die Dinge in ein neues Verhältnis zueinander gesetzt (das kann eben sein: ein zeitgenössisches Video und Teppiche der Sammlung), wodurch sie wieder gesprächig werden. Das um die Objekte konstruierte Dispositiv, also der Präsentationsmodus, funktioniert ent-ideologisierend, sozusagen wie ein in einer gewissen, sehr bewusst eingestellten Tiefenschärfe die Dinge in den Blick nehmendes Objektiv; oder mit anderen Worten: »Fokus der Arbeit ist die Auseinandersetzung mit Sites im Sinne einer Schichtung und Gegenüberstellung von –perzeptiven, historischen und politischen – Zeiten und Lesarten«.

(elisabeth von samsonov, in: 11 artists – 1 notebook, MAK wien, 2004)

 

weiterführende informationen:

http://www.mak.at/sammlung/f_schausammlung.htm

http://gangart.org/GAtemp/output.htm

http://www.gangart.org/knoten/start.html

 

 


IM NU, 1989/90 / war&transitional, messages, 1993 / knots. symmetric_asymmetric, 2002/03

 

 

im kontext dieser projekte wurden auch immer wieder künstlerInnen / theoretikerInnen / praktikerInnen zu beiträgen eingeladen, zb.:

 

karl kowanz, videoinstallation, 1990

simone bader / klub zwei, hörführer durch die neuaufstellung der schausammlung “orient”, 1993

diskussionsrunden im rahmen der neuaufstellung: zur konzeption von museen (mit angela völker, christian reder, ulrich reck), zu den künstlerischen konzepten der neuaufstellung (die beteiligten künstlerInnen), zur politischen situation in afghanistan (michael pohly /autor, georg lennkh / entwicklungszusammenarbeit, bruno aigner / parlament, erhard stackl und gudrun harrer / der standard, sowie vertreter afghanischer parteien), 1992/93

danielle arbid, rashid masharawi, seifollah samadian, kornel mundruczo, jessica hausner, angela schanelec, djamshed usmonov – kurzfilme als austellungsbeiträge zu knots, symmetric_asymmetric, 2002

fabrics interseason, installation in der schausammlung orient, (unrealisiertes konzept, 2008)

georges adeagbo, interventionen in die schausammlungen des MAK, 2009

 

 

karl kowanz / danielle arbid – conversation de salon / georges adeagbo