alighiero e boetti

italienischer künstler der arte povera bzw. der konzeptkunst, geboren 1940 in turin. als hauptsitz von fiat und somit mit der präsenz einer breiten arbeiterschicht war turin in den 1960er und 70er jahren austragungsort massiver gesellschaftlicher kämpfe. intellektuelle suchten in dieser zeit gegenentwürfe zur bestehenden sozialordnung zt in nicht-europäischen gesellschaften. in diesem kontext bereiste boetti 1971 afghanistan und begann eine kooperation mit einer gruppe von frauen, die für ihn textilarbeiten anfertigten. diese zusammenarbeit hielt bis zu seinem tod 1994 an und überdauerte somit die zeit der sovietischen besatzung (ab 1979) und des daseins der frauen in den zeitweise 3 millionen afghanische flüchtlinge fassenden lagern im pakistanischen peshawar.
boettis arbeiten beinhalten einen konzeptuellen aspekt – dh, dass das eigentliche werk die formulierung einer idee bzw die erstellung eines planes, eines scores (partitur) und nicht vordergründig das daraus resultierende materielle ergebnis ist – und andererseits einen partizipativen: im delegieren von arbeitsschritten wird den ausführenden personen ein spielraum im gestaltungsprozess einberaumt, der sie zu tatsächlichen co-autorInnen des werkes macht.
das „e“, das boetti in den 70er jahren zwischen seinen vor- und nachnamen eingefügt (ital.: e = und) und damit ein fiktives künstlerduo geschaffen hat, spiegelt seine praxis einer pluralisierung von autorInnenschaft und stellt den anspruch des kunstmarktes (und allgemein westlicher gesellschaften) nach personifizierung in frage.

 

weiterführende informationen:
http://www.archivioalighieroboetti.it/index_eng.asp
art magazine Parkett No. 24, Parkett Verlag Zurich, Switzerland, 1990

 

beispiele für textilarbeiten:

 


alternando da uno a cento e vice versa


dare tempo al tempo


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