Transboundary: :tomorrow we’ll trample you with our shoes!

Marianne Sorge, 2012

 

 
 

Die Künstlerin Marianne Sorge erwählt in ihrer Installation mit dem Titel „Transboundary“ den „Orient“-Teppich als Fläche und Raum eurozentristischer Projektionen und den damit einhergehenden Produktionsmechanismen auf den „exotischen Anderen“.
Edward Said beschreibt den Diskurs des „Orientalismus“ als einen spezifisch westlichen Diskurs, welcher in seiner kolonialen Angewohnheit  das Fremde in seiner Wildheit und Andersheit zugunsten der Produktion einer sicheren, eurozentristischen Position auszustellen versucht (vgl. Marianne Sorge 2012).
Dem gegenübergestellt thematisiert Marianne Sorge den Teppich als „hybriden, instabilen Raum“,  (Sorge 2012), welcher in seiner politisch motivierten Funktion (z.B. Gebetsteppich) auch das Potential trägt, neuen Raum zu erkämpfen. Für den Kampf um neuen Raum verknüpft sie in ihrer künstlerische Praxis politische, sowie zeitgenössische Tendenzen: Auf einem afghanischen Teppich, welcher als Trophäe und Zeichen der Vormacht nach Europa exportiert wurde, werden von ihr assoziierte Begriffe zu den Protestbewegungen in Ägypten (2011), wie „Raum“, „Mythos“, „Bewegung“, „Frau“, „Kampf“, und „Frühling“, mit gesäter Kresse räumlich eingeschrieben. Eine arabische Frauenstimme aus einer Demonstrationssituation aus Ägypten (2011) ertönt aus den Lautsprecher und gibt den zu Veränderung stehenden Bedingungen ihre Stimme. Mit dem Wachsen der Kresse und dem Lauterwerden der Stimme gerät etwas in Bewegung, das sie selbst mit folgenden Worten beschreibt:

“Ein grenzüberschreitender Teppich, das Begehren nach anderen Räumen, ein Spiel mit Bildern des Orients (Schrift) und des idealen Gartens (Kresse), mit politischem Kampf um Raum (Arabischer Frühling, Panzer) und geschlechtliche Zuschreibungen (die mutigste Frau Ägyptens). Darüber und dazwischen die Idee eines beweglichen, hybriden, handlichen Raumverständnisses. Der (Garten-)Teppich, als Heterotopie, die man überall ausbreiten, sich so überall zumindest temporär Raum verschaffen kann. Die Installation bewegt sich in den dritten Raum durch das Laut- und Leiserwerden einer Frauenstimme, die die Parolen der Männer anleitet. Ein Geräuschteppich sozusagen…”

 

mit Dank an Fatima für die Übersetzung, Manuel für Kresseexperimente, Jerome, Heinrich & Simonetta für Reflexionen und Ideensturm.

 

Teppich, Afghanistan, um 1990 | Kresse | Tonausschnitt: Video Demonstration Ägypten 2011