Leben im Teppich; zwischen Kette und Schuss

Lena Heneis und Michaela Lechner, 2012

 

Lena Heneis und Michaela Lechner nehmen den Teppich und seine historische Entwicklung im Wohnbereich, sowie seine kolonialistischen Implikationen, zum Gegenstand ihrer Arbeit „Leben im Teppich; zwischen Kette und Schuss“:

Der Teppich, welcher ursprünglich nicht nur als Bodenbelag diente, sondern auch als fixer Einrichtungsgegenstand zum Schlafen, Essen und Leben direkt im Wohnraum genutzt wurde, gelangte von Asien und Afrika in die westliche Welt. Kraft der Ausbeutung von Ressourcen aus Kolonien, fand in Europa zwischen 18. und  19. Jahrhundert die Industrialisierung ihren ersten Höhepunkt. In Folge wurden die Wohnräume der breiten Masse durch Industriegüter bestimmt. Das wohlhabende Bürgertum versuchte daher seine Wohnungen durch das Auflegen von persischen Teppichen zu individualisieren. Der Teppich war nicht nur für das reine Schmücken des Bodens bestimmt, sondern diente auch der Dekoration verschiedenster Einrichtungsgegenstände, wie für Tische, Kommoden oder Sofas.

Auch in zeitgenössischen Kontexten bestimmt der Teppich als Einrichtungsgegenstand und Oberfläche von Projektionen immer noch das Bild des Wohnraums. Auf den Spuren einer spezifisch bürgerlichen, postkolonialen Wohnkultur versuchen die Künstlerinnen seinen Funktionen nachzugehen, indem sie ihn auf seine Grundstrukturen dekonstruieren:

Die Kette (Sisal) liegt flach auf dem Boden, der Schuss (Wolle, Polyester) ist rückwärtig in Form einer Webkante mit der Kette verbunden und zieht sich nach vorne hin durch den Raum. Hierdurch entsteht die Möglichkeit in das Innere des Teppichgewebes einzudringen und ihn selbst als Raum zu nutzen. Ein Thonet-Sessel mit Beistelltisch lädt die BesucherInnen zum Verweilen ein.

Der Teppich als Rahmen für kulturell gewachsenen Handlungsraum und als symbolischer Raum westlicher Wohnkultur wird hier auf seine Ursprünge rückgeführt. Er wird zu einem Rückzugsort, einer Falte, welcher durch seine bunten Fäden die Sicht zur Aussenwelt symbolisch verklärt.

 

 

Rauminstallation; verschiedene Fäden, vorgefundene Raumelemente, Einrichtungsgegenstände; ca. 3 x 4 x 3m (bxlxh)