Fragmente (Arbeitstitel)

Dominik Leitner, 2012

 

Dominik Leitner untersucht in seiner künstlerischen Arbeit „Fragmente“ den antiken Teppich als Sammlungsstück in seinem ständigen Prozess der Wandlung:

Sein Interesse gilt der Ornamentik antiker „Orient“-Teppichen aus islamisch geprägten Kulturkreisen. Fragmentarisch abgeleitete, geometrische Formen zeugen hier von einer Kultur, welche die Natur in ihrer Gesamtheit nicht abbilden durfte. Er bezeichnet dies als „Eine Reise von Formen, die der Natur entnommen, aber stilisiert durch das Medium des Teppichs sich zu geometrischen Figuren wandeln.“ (Dominik Leitner, 2012)

Als Derivate antiker Traditionen solcher oft nur spärlich erhaltenen Stücke gelangten Fragmente dieser Teppiche über Handelswege in verschiedenste öffentliche und private Sammlungen. Das Moment der Wandlung der Form wird hier auch auf den Teppich selbst weitergetragen: Heute noch erhaltene Fragmente geben über den Gebrauch oder Mißbrauch  ihrer Besitzer Rechenschaft, indem sie oft zu Musterstücken zer- und verteilt oder bereits zur Unkenntlichkeit aufgelöst wurden. Das Fragment bleibt als Spur und Erinnerung des ganzen Teppichs erhalten.

In Dominik Leitners künstlerischen Herangehungsweise soll eine mit Ruß beschichtete Glasscheibe von der Vergänglichkeit solcher Teppich zeugen und diese wieder in unserer Erinnerung wachrufen. Antik anmutende geometrische Formen, abgewandelt aus vorhandenen Ornamenten von Teppichen aus der Sammlung des MAK, werden in Ruß eingeritzt. Als ob sich der Teppich auflösen würde, verliert sich sie Rußspur auf der Glasscheibe. Übrig bleibt das Fragment als unvollendetes Kunstwerk.
Ritzzeichnung auf angerußter Auslagenscheibe, ca. 2 x 1m