Utopie

19. November 2014

Christian Neugebauer über Utopien / Heterotopien

auf: http://www.european-spaces.eu

In diesen äußeren Räumen der Relationen sind für Foucault gerade jene Orte interessant, die mit allen anderen Orten in Verbgindung stehen, „aber so, dass sie alle Beziehungen, die durch sie bezeichnet, in ihnen gespiegelt und über sie der Reflexion zugänglich gemacht werden, suspendieren, neutralisieren oder in ihr Gegenteil verkehren“.

Diese Räume lassen sich nach Foucault in zwei Gruppen einteilen:

1. „Das sind erstens Utopien. Utopien sind Orte ohne realen Ort. Es sind Orte, die in einem allgemeinen, direkten oder entgegengesetzten Analogieverhältnis zum realen Raum der Gesellschaft stehen. Sie sind entweder das vervollkommnete [sic.] Bild oder das Gegenbild der Gesellschaft, aber in jedem Fall sind Utopien ihrem Wesen nach zutiefst irreale Räume“.

2. Dann gibt es in unserer Zivilisation wie wohl in jeder Kultur auch reale, wirkliche, zum institutionellen Bereich der Gesellschaft gehörige Orte, die gleichsam Gegenorte darstellen, tatsächlich verwirklichte Utopien, in denen die realen Orte, all die anderen realen Orte, die man in der Kultur finden kann, zugleich repräsentiert, in Frage gestellt und ins Gegenteil verkehrt werden. Es sind gleichsam Orte die außerhalb aller Orte liegen, obwohl sie sich durchaus lokalisieren lassen. Da diese Orte völlig anders sind als all die Orte, die sie spiegeln und von denen sie sprechen, werde[n] […] sie im Gegensatz zu den Utopien als Heterotopien bezeichne[t]“.

 

 

 

Transboundary: :tomorrow we’ll trample you with our shoes!
Marianne Sorge, 2012

Die Künstlerin Marianne Sorge erwählt in ihrer Installation mit dem Titel „Transboundary“ den „Orient“-Teppich als Fläche und Raum eurozentristischer Projektionen und den damit einhergehenden Produktionsmechanismen auf den „exotischen Anderen“.
Edward Said beschreibt den Diskurs des „Orientalismus“ als einen spezifisch westlichen Diskurs, welcher in seiner kolonialen Angewohnheit  das Fremde in seiner Wildheit und Andersheit zugunsten der Produktion einer sicheren, eurozentristischen Position auszustellen versucht (vgl. Marianne Sorge 2012).
Dem gegenübergestellt thematisiert Marianne Sorge den Teppich als „hybriden, instabilen Raum“,  (Sorge 2012), welcher in seiner politisch motivierten Funktion (z.B. Gebetsteppich) auch das Potential trägt, neuen Raum zu erkämpfen. Für den Kampf um neuen Raum verknüpft sie in ihrer künstlerische Praxis politische, sowie zeitgenössische Tendenzen: Auf einem afghanischen Teppich, welcher als Trophäe und Zeichen der Vormacht nach Europa exportiert wurde, werden von ihr assoziierte Begriffe zu den Protestbewegungen in Ägypten (2011), wie „Raum“, „Mythos“, „Bewegung“, „Frau“, „Kampf“, und „Frühling“, mit gesäter Kresse räumlich eingeschrieben. Eine arabische Frauenstimme aus einer Demonstrationssituation aus Ägypten (2011) ertönt aus den Lautsprecher und gibt den zu Veränderung stehenden Bedingungen ihre Stimme. Mit dem Wachsen der Kresse und dem Lauterwerden der Stimme gerät etwas in Bewegung, das sie selbst mit folgenden Worten beschreibt:

“Ein grenzüberschreitender Teppich, das Begehren nach anderen Räumen, ein Spiel mit Bildern des Orients (Schrift) und des idealen Gartens (Kresse), mit politischem Kampf um Raum (Arabischer Frühling, Panzer) und geschlechtliche Zuschreibungen (die mutigste Frau Ägyptens). Darüber und dazwischen die Idee eines beweglichen, hybriden, handlichen Raumverständnisses. Der (Garten-)Teppich, als Heterotopie, die man überall ausbreiten, sich so überall zumindest temporär Raum verschaffen kann. Die Installation bewegt sich in den dritten Raum durch das Laut- und Leiserwerden einer Frauenstimme, die die Parolen der Männer anleitet. Ein Geräuschteppich sozusagen…”

 

 

 

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