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Intro
& programm

Themen
Arbeitsverhältnisse, Produktions- und Vertriebszusammenhänge im Bereich Moden & Styles sind die Themen dieser Lehrveranstaltung. Sie verfolgt Fallbeispiele und untersucht Möglichkeiten emanzipatorischen Handelns gegenüber Deregulierung und dem damit verbundenen Abbau sozialer Rechte und der allumfassenden Kommerzialisierung und Vermarktung / Kommodifizierung.
Dieser Vorgang erfolgt zunächst über eine künstlerische Aneignung, in der graphische, visuelle und textliche Narrationen entwickelt werden. Konkretes Ergebnis ist ein aus Einzelbeiträgen bestehendes großformatiges Heft, das auch Ergebnisse einer Recherche vor Ort und die Repräsentation und Involvierung von AkteurInnen, ProduzentInnen, AktivistInnen beinhaltet.

Ablauf
Die Arbeit in der LV wird sich in zwei Abschnitte gliedern, welche durch eine öffentliche Mid-Term-Presentation im Rahmen des Fashion Revolution Days 2016 am 22. April markiert sind.
Auf die Einführungsveranstaltung am 14. März folgt eine Reihe von tw. geblockten Terminen im April, in denen das Thema einem eigenen künstlerischen Ansatz folgend präzisiert und entwickelt wird. Begleitend zu dieser Projektarbeit werden an den angegebenen LV-Terminen nicht nur Hintergrundinformationen angeboten und beispielhafte künstlerische u/o aktivistische Positionen vorgestellt, sondern auch Visiten / Exkursionen zu AkteurInnen / Rahmenbedingungen / Arbeitskontexten / exemplarischen Ausstellungen durchgeführt.
Die dritte Aprilwoche ist der Einrichtung einer gemeinsamen Installation in den Räumlichkeiten der Alten Post in Wien I, dem Abhaltungsort von "Take - Festival for Independent Fashion and Arts" gewidmet.
Im zweiten Abschnitt der LV im Mai geht es um die konkrete Feldrecherche und Auseinandersetzung mit Einrichtungen und AkteurInnen, deren Ergebnisse textlich aufbereitet und allen TeilnehmerInnen vorgestellt werden.

Der Fashion Revolution Day wird anläßlich des Jahrestags des katastrophalen Gebäude- einsturzes einer Bekleidungsfabrik in Dhaka / Bangladesh 2013 abgehalten. Die damit ursächlich in Beziehung stehende Struktur der globalen Bekleidungsindustrie sowie deren Gegenentwürfe sind also der Ansatz für unserer künstlerische und forschende Arbeit.

Ergebnis
Im Rahmen der LV wird ein Sammler aus Einzelheften im Format A3 hergestellt, die jeweils von 2er-Projektteams produziert werden und einen 8-seitigen künstlerischen / grafischen / visuellen und einen ebenso 8-seitigen forschenden Text-Bild-Beitrag (ca. 5000 Zeichen), sowie ein siebgedrucktes Coversheet / Poster beinhalten. Die künstlerischen Beiträge werden am Fashion Revolution Day ausgestellt und präsentiert, die fertige Hefte-Sammlung zum Abschluss der Lehrveranstaltung.

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Presentations
& Events


Ausstellung bei
TAKE - FESTIVAL FOR INDEPENDENT FASHION AND ARTS
22. bis 24.4. 2016
Alte Post, Dominikanerbastei, A - 1010 Wien
(Mid-Term Presentation)

Sweatshops für den Weltmarkt: Ausbeutung und Widerstand in der globalen Textilindustrie
Vortrag von Petra Dannecker
Vorstand Institut für Internationale Entwicklung / Universität Wien
22.4.2016



Präsentation FASHION REVOLUTION - an editorial project
29.6.2016
AFA - Austrian Fashion Association
Lindengasse 27, A - 1070 Wien

mit einer Respondenz von Andreas Spiegl
IWK / Akademie der bildenden Künste Wien
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Imprint
& credits


Konzept: Simonetta Ferfoglia und Heinrich Pichler / gangart

im Rahmen der Lehrveranstaltung "Praxen der Intervention und Kommunikation" im SoSe2016, ]a[ akademie der bildenden künste wien | IKL | Moden und Styles

 


© Texte und Kunstwerke: bei den AutorInnen
© Page: gangart


für den Inhalt verantwortlich:
Simonetta Ferfoglia | Heinrich Pichler 
Akademie der bildenden Künste Wien | IKL | Moden und Styles
Karl Schweighofer Gasse 3
A - 1070 Wien 
h.pichler@akbild.ac.at

 

 

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Work Work Work
Nina Geschl und Fabio Otti

Es ist ein obszöner Supergau aus überlagerten Logos bekannter Modelabels, apokalyptischen Bildern der Trümmer des 2013 eingestürzten Fabrikskomplexes vom Rana Plaza inmitten der Megacity Dhaka, typografisch homogen gesetzten Zeitungsberichten über Ursachen und Auswirkungen dieser Katastrophe. Collagiert und variiert in weiss auf schwarzem bzw. schwarz auf weissem Grund, füllen die so strukturierten Flächen Figur und Feld entlang der Umrisszeichnungen von Textilarbeiterinnen und posierenden Models. Die Tonalität ist von Blatt zu Blatt unterschiedlich, folgt aber einer formal strengen Abfolge und Symmetrie durch das gesamte Heft.

Vom Cover aus spricht eine parallele Ich-Erfahrung: Nina Geschls Erleben der rücksichtlosen und frauenfeindlichen Ausbeutung im Rahmen einer vermeintlich hypen Praxis, den de facto prekaristischen Jobs für Londoner und Berliner Modelabels.

 



pdf Work Work Work

Hände erzählen Menschen
Anja Kohlweiss und Raphaela Mayerhofer

Die stilisierte graphische Abfolge von Hand-Darstellungen fokussiert auf die physischen Prägungen, die dieses Körperteil - allgemein mit Arbeit assoziiert - im Schaffen erfährt. Während die Produkte manueller Tätigkeit sich verselbstständigen und zu kursieren beginnen, geraten die produktiven Faktoren aus dem Blickwinkel. Der Beitrag erzählt also über die unterschiedlichen Hände, die ein Kleidungsstück im Lauf seines Life Cycle durchwandert. Die acht fiktiven Akteur_innen dieser transformativen Kontexte weisen Brüche in ihren Rollenbildern auf, sie verweisen auf die Instabilität der scheinbar festgefügten Struktur von Produktion, Handel und Verbrauch.

 

 


pdf Hände erzählen Menschen

label me
Klemens Hofer und Elsa Klar

Die standardmäßigen Etiketten von Kleidung lassen wesentliche Fragen zu deren Herstellung und der Herkunft der Rohstoffe offen. So stand am Anfang von label me die Absicht, eine Plattform einzurichten, die Tags als strategisches Dispositiv nutzen, um verdecktes Wissen zu Rahmenbedingungen der Textilproduktion sichtbar zu machen und einzuordnen. Auf einem Instagram-Account werden über einen festgelegten Zeitraum Fotos von Bekleidungsetiketten unter Verwendung einschlägiger Hashtags wie #slowfashion oder #whomademyclothes veröffentlicht. Sehr schnell entsteht ein Netzwerk aus AkteurInnen im Bereich von Sustainable Fashion. Im Beitrag ist die Kommunikation als Listen von Abonnements, Kommentaren, Verlinkungen dokumentiert, wobei die statistischen Instrumentarien für deren Auswertung als Stilmittel einer ästhetischen Operation eingesetzt werden. Eine Reflexion über das Potenzial von Social Media ergibt sich auch aus dem artikulierten visuellen Umgang und der Transformation der generierten Daten. Der beigefügte Leitfaden, zu dem ein Experte für Instagram-Marketing Bewertungskriterien für Accounts beisteuert, orientiert sich in seiner typografischen Form an Begriffs-Clouds. In seiner ungebrochenen Reproduktion der im Medium implizierten Strukturen und Ästhetiken verortet sich label me an der ambivalenten Grenze zwischen Affirmation und Kritik.

 


pdf Label Me | Was ist Instagram

Ethik am Etikett
Maria Ettel, Elisabeth Lamche und Paul Türk

Das immense ökonomische Volumen einer globalen Textilindustrie prägt und spiegelt gleichzeitig geopolitische Machtverhältnisse. Zur aktuellen Situation stellt der Beitrag fest, dass ausgerechnet Bio-Baumwolle derzeit zum großen Teil vom IS bezogen wird, und dass die wachsende Bedeutung von Handelswegen und die Entstehung globaler Konfliktzonen miteinander in Beziehung stehen. Die europäischen Märkte sind Profiteure solcher Entwicklungen, dennoch entstehen oder reaktivieren sich Gegenentwürfe von nachhaltiger Produktion - wie dem Baumwolleanbau in Portugal - und kleinteiligen Vertriebsstrukturen, die hier - exemplarisch auf Wiens zentrumsnahe Bezirke bezogen - aufgelistet werden.

 


pdf Ethik am Etikett

Mem über Gen
Stefan Eggenweber / Marlene Redtenbacher

Die gewachsene und aktuelle Problematik der Textilproduktion wird in dieser Arbeit bewußt umgangen, denn vielmehr stellen sich die Autor_innen die Frage, wie Mode aussieht, wenn sich die Meme der Gene bemächtigen, sich die Gedanken verselbstständigen und die Kontrolle über den Körper übernehmen. Kleidung, Körper werden dann fernbestimmbar und -bestellbar. In einer Utopie, in der die Evolution soziokulturell, im Netz und nicht biologisch erfolgt, spielen Arbeitsbedingungen jedenfalls keine Rolle.
Collagen sind auf transparente Blätter transferiert, was eine Bild- und Zustandsüberlagerung ermöglicht. Ein essayistischer Text führt in das Funktionieren von Memplexen ein und geht besonders auf das Potenzial der Memetik im queer-theoretischen, sowie als Teme im technologischen Zusammenhang ein.

 

 


pdf Imagine | Mem über Gen

 

Today I am
Lena Baur und Teresa Kurzbauer

Die Referenz auf die visuelle und operative Praxis der Künstlerin und Pädagogin Rebecca Goldschmidt deutet auf eine politische Leseart der Arbeit, in der die Fotos differente, nicht durch Konsumption bestimmte und gestaltbare Orte schaffen. Die Aneignung oder das Zurücklassen von Kleidung ist für Goldschmidt gleichermaßen eine Form der Kommunikation wie ein Akt des Widerstands. "Today I am" erschließt sich gleichermaßen in den Bezugsfeldern von Kunst, Fotografie und Mode: die Fotoserie zeigt Kleidungsstücke in Interferenz mit Objekten des Alltags - mit Möbeln, Baustoffen oder untereinander in Beziehung gesetzt, erzählen sie von Abwesenheiten und liegen Gelassenem. Der Blick konzentriert sich auf den Wert des Kleidungstückes in dessen ästhetischer Valenz, auf die in seiner Beschaffenheit selbst eingeschriebene Nachricht.

 

 

 


pdf Today I Am | Interview mit Rebecca Goldschmidt

 

Videkstand
Eva Moschitz und Marlene Wanzenböck

Ein Kinderbuch von Fran Levstik (1831 Dolnje Retje, heute Gemeinde Velike Laše, Slowenien - 1887 Laibach) erzählt von Videk, dem jüngsten Sohn einer ländlichen Familie, der mit den völlig abgetragenen Kleidern seiner Geschwister vorlieb nehmen muß. Die Tiere organisieren sich und stellen ihm ein neues Hemdchen aus den Rohstoffen der Natur her. In der Parallelisierung der Illustrationen einer Ausgabe aus dem sozialistischen Jugoslawien von Roža Pišanec (1923, Lovrenc na Dravskem Polju - 2006, Ljubljana) und statistischen Daten zu Kinderarbeit in der Textilindustrie werden Arbeitsbedingungen und Ökologie eindrücklich problematisiert.

Mit einem Blatt handschriftlicher Notizen über die Gründung einer Kooperative wird aber auch auf konkrete Handlungsoptionen zur Überwindung bestehender Missstände verwiesen, und die Kultur- und Sozialanthropologin Ursula Kermer informiert in ihrem Interview über die eigene Motivation und Erfahrung bei der Beteiligung an Sozialprojekten im Textilbereich.

 

 

 


pdf Made by Children

 

 


pdf Videkstand

 

Inside and Outside the Shop
Georg Reiter und Veronica Schramek

Der Beitrag rekonstruiert die Grenze zwischen dem Drinnen und Draussen des Kreislaufs von Produktion und Vertrieb entlang sozialer, legaler, technologischer Kontrollmaßnahmen. Die grafische Strecke setzt Sprachcodes der Propaganda in der Kunst fort (von z.B. der russischen Avangarde bis zu Barbara Kruger). Von ihrer Haltung her ist sie eine "Demo", die visuell und durch gemeinsame Slogans - es werden allgemein verfügbare Images herangezogen - ein globales, widerständiges "Wir" aktiviert. Die Beweggründe dieser Demonstration werden im Interview mit der Entwicklungssoziologin Petra Dannecker erörtert. Sie geht nicht nur ausführlich auf Arbeitsbedingungen und gesellschaftlichen Kontext der Textilarbeiterinnen in Bangladesh ein, sondern betont deren in der Berichterstattung und medialen Erzählung oft ausgesparten Initiativen politischer Organisation als Akte weiblicher Selbstbestimmung. Gleichzeitig kritisiert sie die Bildpolitik des "Othering" im medialen Mainstream.

 

 

 


pdf Inside and Outside the Shop | Room for Manoeuvre

 

Spitze
Laura Molnar und Pia Elisa Nagl

Das Projekt Spitze hat einen biografischen Hintergrund und schafft durch schrittweise Übersetzung eine engagierte Erzählung über handwerkliche Meisterschaft und strukturelle Rahmenbedingungen. Diese wird eröffnet mit einer Abfolge von direkt eingescannten Vorarlberger Spitzen. Das Verfahren steht in Analogie zum zeilenweisen maschinellen Herstellungsprozess und betont die Plastizität der Spitze. Die Objekte sind auch Gegenstand eines Interviews mit

ihrem Hersteller, Adolf Nagl, in dem er aus seinem Berufsleben und letztlich vom Arbeitsplatz-Verlust im Stickereiunternehmen auf Grund von Produktionsauslagerung in der neunziger Jahren berichtet. Das Gespräch, das im Dialekt wiedergegeben ist, vermittelt seine sehr persönliche Perspektive, während die Autorinnen daran ein Netzwerk von kontextuellen informationen zu den strukturellen Entwicklungen der lokalen Textilindustrie und ihrer Anbindung an globale Prozesse im letzten halben Jahrhundert knüpfen.

 

 

 

 


pdf Spitze [1] | Spitze [2]