Lehrveranstaltung und Studienfahrt von Wien nach Ljubljana im WiSe 2014/15

Textile Produktion als treibende Kraft in der technologischen Entwicklung, als eine Industrie des Kolonialismus und Postkolonialismus, als Angelpunkt der Selbstorganisation von Frauen und von ArbeiterInnenschaft

Routen: von Rohstoffen, von Produkten; Umsiedlung von Arbeitsstätten; Arbeitsmigration; das Schiff als ein Topos, der alle diese Bewegungen in sich vereint; Bewegung von materieller Kultur als Informationsfluss / Migration der Fom

Gegenseitigkeit des Blicks als künstlerische Strategie: formal; operativ

Die Lehrveranstaltungen und die damit verbundene Studienfahrt nach Ljubljana greift die LV von Elke Gaugele und gangart / Simonetta Ferfoglia und Heinrich Pichler zu postkolonialer Kritik auf („Vienna Zocalo – Critical Crafting as a (post)colonial Strategy“ 2011 und „On Trading. Fashion, Styles and Postcolonial Film“ 2012) und thematisiert das feminisierte Feld der Textilarbeit als Raum der Austragung von Arbeitskämpfen und Konflikten um politische und nationale Selbstbestimmung.

Ausgangspunkt ist hierbei die zeitgleiche, einander bedingende Industrialisierung und die Entstehung der Frauenbewegung im 19.Jhdt. im damals einheitlichen politischen Raum der Habsburger Monarchie zwischen Böhmen und der nördlichen Adria. Einzelne Schauplätze im Zentrum und der – wegen niedriger Löhne und auszubeutender natürlicher Ressourcen für die Textilindustrie prädestinierten – Peripherie werden in ihrem sozio-ökonomischen Wandel durch wechselnde politische Kontexte hindurch bis zur heutigen Krise der europäischen Produktion reflektiert. Im Austausch mit Kolleg_innen und Expert_innen aus/in Ljubljana werden wir nach Positionen in der Kunst und Gestaltung suchen, die sich kritisch befassen mit

  • Repräsentationen hegemonialer Politiken
  • Produktionsstätten, Handel, Infrastrukturen, Migration
  • Lokale Diversitäten vs. Austausch & Migration von Formen
  • Postkommunismus: neue Ökonomien, neue Migration

In den Lehrveranstaltungsterminen am IKL werden Strategien künstlerischer Haltungen und Formen der Repräsentation vor dem Hintergrund einer österreichischen Kolonialgeschichte und im Kontext (post)kommunistischer Bedingungen besprochen. Dazu werden sowohl in Wien als auch im Rahmen der Lehrausfahrt Ende Oktober Institutionen und ProduzentInnen aufgesucht und befragt.
Ziel der LV ist die Erarbeitung künstlerischer Projekte, die die vorgefundenen lokalen und weitreichend verknüpften Prozesse der De-/Rekolonisierung in persönlicher, erzählerischer Form transformieren, und die als gemeinsamer Beitrag am Rundgang 2015 präsentiert werden.