DIE ENTWICKLUNG DER TEXTILINDUSTRIE UNTER BESTIMMTEN HEGEMONISCHEN VERHÄLTNISSEN IN BULGARIEN – Kristina Popova

 

 

Die Entwicklung der Textilindustrie unter bestimmten hegemonischen erhältnisse in Bulgarien

Kristina Popova

Anfang der 20 Jahren des 19 Jh. konstruierte Dobri Geliazkov ein Gerät, womit die Wolle mechanisch gesponnen wurde, somit machte er den ersten Schritt, der geschichtlich sehr bedeutend für die Entwicklung der Textilindustrie Bulgariens ist. 1834 gründete er die erste Textilfabrik des Balkans.

In meiner Fallstudie untersuche ich, unter welchen historischen sowie auch hegemonischen Verhältnissen die Entwicklung der Textilindustrie Bulgariens beeinflusst wurde.

Fes
Webstuhl
Emblem
„Ferman“- Vertrag
„Pastafi“- Meterware
 

Die erste Textilfabrik des Balkans, 1834 und Firma Miroglio-Sliven, 1998

Laut Beschreibung seiner Zeitgenossen war Dobri Geliazkov ein sich auszeichnender Mann, eine beeindruckende Person, blond, mit hellen blauen Augen, grauen Haaren und einem üppigen Schnurrbart und seine Stirn glänzend wie ein Spiegel, hoch und breit.
Er hatte sich das Privileg verdient “sich nach europäischer Art“ kleiden zu lassen: mit französischer Kleidung- Hosen, Stiefel, blaues Sakko und Weste, weißen Kragen und Krawatte und auf der rechten Seite seines Feses hing ein Emblem mit einer Krone und darunter eine Schere die mit einem Webstuhl gekreuzt war – den Zeichnen seiner Zunft. Er erfreute sich großer Erfurcht und Respekt von der Verwaltung und seinen Mitbürgern. Als er sein Pferd durch den Platz „Gur Cheshme“ ritt, standen Bulgaren als auch Türken auf.
(Dipl. Ing.Arch. G. Kozarov – Dobri Geliazkov-Fabrikadjiiata; 1934)

Im Juli 1872 arbeiteten in allen Fabrikstätten 330 Mann. Die Belegschaft arbeitete von morgens ab 4 Uhr bis 11.30 Uhr, sie hatten eine halbe Stunde Mittagspause und arbeiteten bis 20 Uhr weiter. Die fertige Ware (blaue, rote, dunkle Stoffe, die kralgelben Stoffe für Reitermäntel) wurde auf einer besonderen Maschine stückweise (in Pastafi) verarbeitet. Meiner Einschätzung nach erreichte die durchschnittliche Jahresproduktion etwa 11000 Ballen (Ein Ballen enthält 5 Stücke (Pastafi), jedes Stück maß 35 Ellen bzw. die Gesamtlämge der Produktion maß 192500 Ellen), die mit Kamelen und Pferden zu den entfernten türkischen Militärzentren, vor allem nach Edirne, transportiert wurden.
( Felix Kanitz, ein österreichischer Reisender in „ Donau- Bulgarien und der Balkan“ 1872).

Es ist viel angenehmer die Fabriken zu öffnen als sie zu schließen!
(Eduardo Miroglio, der größte italienische Investor in Bulgarien)